Haben Nahrungsergänzungsmittel Wechselwirkungen?
Nahrungsergänzungsmittel (NEM) gelten allgemein als sicher und unkompliziert – doch auch sie können untereinander oder in Kombination mit Medikamenten zu Wechselwirkungen führen. Das betrifft insbesondere Menschen, die bereits Arzneimittel einnehmen oder mehrere Präparate kombinieren. Erfahren Sie hier, welche Nahrungsergänzungsmittel Wechselwirkungen haben und wie sich diese vermeiden lassen.
Wie kommt es zu den Wechselwirkungen?
- Komplexbildner: Insbesondere Calcium ist dafür bekannt, dass es mit einigen Medikamenten wie Antibiotika Komplexe im Darm eingeht. Das Problem: Die Komplexe sind so groß, dass der Körper sie nicht mehr aufnehmen kann. Weitere Beispiele sind Gerbstoffe aus Tee. Sie bilden Komplexe mit einigen Antidepressiva.
- Aufnahme wird gestört: Viele Wirkstoffe werden durch Transportsysteme aufgenommen. Nicht für jeden Wirkstoff gibt es ein eigenes System. Somit kann es passieren, dass die Transporter bereits besetzt sind, wenn mehrere Wirkstoffe gleichzeitig eingenommen werden. Zudem binden viele Arzneimittelwirkstoffe an Proteine im Blut. Befinden sich jedoch zu wenig Eiweiße im Blut, kann es zu einer erhöhten Ausscheidung kommen.
- Einfluss auf die Verstoffwechselung: In der Leber finden die Entgiftung und Verstoffwechselung körperfremder Substanzen – darunter Medikamente, Umweltgifte, aber auch bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe und Mikronährstoffe – statt. Einige bioaktive Pflanzenstoffe, z. B. Curcumin, EGCG aus grünem Tee, Quercetin oder Resveratrol, können diesen Stoffwechselweg beeinflussen – teils hemmend, teils aktivierend. Das bedeutet: Sie können die Abbaugeschwindigkeit von Medikamenten oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln verändern. Auch das Risiko für Nebenwirkungen kann sich durch diesen Effekt erhöhen. Eines der bekanntesten Beispiele sind Grapefruitsaft und Cholesterinsenker.
- Mikronährstoffe steigern die Wirkung: In manchen Fällen ist die Kombination von mehreren Vitalstoffen sogar sinnvoll, da sich die Aufnahme zusammen verbessert. Beispielsweise ist die Einnahme von Eisen in Kombination mit Vitamin C nützlich. Das Eisen wird durch Vitamin C in die leicht resorbierbare Form FE2+ umgewandelt.
Wechselwirkungen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten
Eine vollständige Liste ist nahezu unmöglich, daher haben wir Ihnen einige der wichtigsten Wechselwirkungen zwischen Supplements und Medikamenten aufgelistet:
- Blutverdünner wie Warfarin: können durch Vitamin K (v. a. in grünen Blattgemüsen, Spirulina) in ihrer Wirkung abgeschwächt werden.
- Blutdruckmedikamente: in Kombination mit Kaliumpräparaten kann es zu Hyperkaliämie kommen.
- Antidepressiva: können durch Johanniskraut in ihrer Wirkung abgeschwächt werden; zudem besteht Serotonin-Syndrom-Risiko.
- Immunsuppressiva wie Ciclosporin: können durch Grapefruit-Extrakt oder Curcumin in ihrer Konzentration steigen.
- Schilddrüsenhormone (z. B. L-Thyroxin): ihre Aufnahme wird durch Calcium, Eisen oder Magnesium aus Nahrungsergänzungsmitteln behindert, wenn diese zeitgleich eingenommen werden.
- Metformin (Medikament bei Diabetes): bildet mit Ballaststoffen Komplexe, daher sollte es nicht zusammen mit Haferkleie, Lein- oder Flohsamenschalen eingenommen werden.
Welche Nahrungsergänzungsmittel beeinflussen sich gegenseitig?
Auch zwischen Vitalstoffen selbst kann es zu Konkurrenz und Wechselwirkungen kommen – besonders bei hohen Dosierungen:
| Mikronährstoff-Kombination | Mögliche Wechselwirkung |
| Eisen & Calcium | Hemmen sich gegenseitig bei gleichzeitiger Aufnahme |
| Zink & Kupfer | Hohe Zinkgaben senken Kupferaufnahme |
| Magnesium & Calcium | Behindern sich bei hoher Dosierung gegenseitig |
| Eisen & Zink | Konkurrenz um Transportproteine im Darm |
| Vitamin D & Magnesium | Vitamin-D-Stoffwechsel erfordert ausreichendes Magnesium |
| Folsäure & Vitamin B12 | Ein Folsäureüberschuss kann B12-Mangel maskieren |
| Eisen & Vitamin C | Vitamin C erhöhte die Bioverfügbarkeit von Eisen |
Eine überlegte Kombination und ggf. zeitliche Trennung der Einnahme können die Bioverfügbarkeit verbessern und unerwünschte Interaktionen vermeiden.
Nahrungsergänzungsmittel-Wechselwirkungen vermeiden
Die wichtigste Maßnahme zur Vermeidung unerwünschter Wechselwirkungen ist die zeitliche Trennung der Einnahme von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln. Folgende Tipps sollten Sie beachten, um von der Wirkung auch wirklich zu profitieren:
- Mineralstoffe (Calcium, Magnesium, Eisen, Zink): mindestens 2–3 Stunden Abstand zu Arzneimitteln oder zu anderen Mineralstoffen einhalten.
- Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K): immer mit etwas Fett zu den Mahlzeiten einnehmen.
- Ballaststoffreiche Produkte (z. B. Flohsamenschalen, Inulin, Gerstengraspulver): können die Aufnahme von Vitalstoffen verzögern – 1–2 Stunden Abstand.
- Medikamente + Nahrungsergänzung stets mit Wasser einnehmen. Kaffee, Tee oder Saft können zu Wechselwirkungen führen.
- Im Beipackzettel von Medikamenten muss auf Wechselwirkungen hingewiesen werden. Lesen Sie daher die Gebrauchsinformationen durch. Wenn hier steht, dass das Medikament nicht mit Milchprodukten eingenommen werden soll, dann bezieht sich das meist auf Calcium allgemein.
Fazit: Informiert einnehmen – das Beste aus Nahrungsergänzung herausholen
Nahrungsergänzungsmittel können wertvolle Begleiter für Ihre Gesundheit sein, wenn sie gezielt und bewusst eingesetzt werden. Wer sich mit den möglichen Wechselwirkungen auskennt – ob mit Medikamenten oder anderen Mikronährstoffen – kann unerwünschte Effekte vermeiden und die Bioverfügbarkeit optimieren. Im Zweifelsfall: Beratung einholen, zeitlich trennen und auf qualitativ hochwertige Produkte achten.
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