Apigenin aus Petersilie – Wirkung, Nutzen und aktuelle Studien
Apigenin ist ein natürlicher Pflanzenfarbstoff aus der Gruppe der Flavone, der unter anderem in Petersilie (Petroselinum crispum, Synonym: Petroselinum sativum) reichlich vorkommt. In der wissenschaftlichen Literatur wird Apigenin intensiv untersucht – vor allem wegen seiner antioxidativen, entzündungshemmenden, neuroprotektiven und potenziell krebshemmenden Eigenschaften. Im Folgenden erläutern wir, worauf Sie bei Apigenin aus Petersilie achten sollten, welche Wirkungen in Studien untersucht wurden und wie Sie Apigenin im Alltag verwenden können.
Was ist Apigenin?
Apigenin gehört zur Gruppe der Flavone – das sind Pflanzenstoffe, die vielfach antioxidative, zellregulierende und gesundheitsfördernde Effekte zeigen. Es ist ein gelber Pflanzenfarbstoff und daher in wenigen pflanzlichen Lebensmitteln mit gelber und grüner Farbe enthalten, wie Petersilie, Sellerie, Grapefruits und Kamille. In Petersilie ist Apigenin oft in Form sogenannter Glycoside vorhanden – diese werden im Darm gelöst und dann kann Apigenin aufgenommen werden. Die Bioverfügbarkeit ist durch solche Verbindungen höher, als wenn Sie isoliertes Apigenin aus Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen.
Petersilie als optimale Apigenin-Quelle
Petersilie zählt zu den Top‑Lieferanten von Apigenin unter den Gemüsen und Kräutern. Getrocknete Petersilie kann relativ hohe Gehalte erreichen. Von frischer Petersilie müssten Sie eine recht beachtliche Menge essen, um relevante Mengen an Apigenin aufzunehmen. Durch die Verwendung von Petersilienpulver (getrocknete Petersilie, gemahlen) erreichen Sie die Menge wesentlich einfacher. Apigeningehalt in:
- frischer Petersilie: etwa 130 mg pro 100 g
- getrockneter Petersilie etwa 1300 mg pro 100 g
- zubereitetem Kamillentee etwa 11 mg pro 100 ml
Eine Kombination mehrerer Lebensmittel mit Apigenin wie Petersilienpulver, Grapefruits und Kamillentee ist durchaus nützlich, um auf eine wirksame Menge zu kommen. Diese wird mit 20 mg bis etwa 200 mg, je nach gewünschter Wirkung, beschrieben. Zu bedenken ist, dass naturbelassene Lebensmittel immer einer gewissen Schwankung unterliegen und daher nicht konstant genau den gleichen Gehalt des Flavones haben.
Eine humanmedizinische Studie zur Bioverfügbarkeit von Apigenin aus Petersilie zeigte: Nach Einnahme von Petersilie stieg der Apigeninspiegel im Plasma innerhalb von etwa 7 Stunden an. Allerdings liegt die durchschnittliche Ausscheidung im Urin bei nur etwa 0,22 % der aufgenommenen Menge, was für eine eher schlechte Bioverfügbarkeit spricht. Die Aufnahme kann durch Resveratrol verbessert werden. Dieses steckt beispielsweise in roten Weintrauben oder Kakao.
Produktempfehlungen:
Die Wirkungen von Apigenin – was sagt die Forschung?
Wie bei so vielen pflanzlichen Inhaltsstoffen gibt es zur Wirkung von Apigenin zahlreiche Zell- und Tierstudien. Jedoch kaum aussagekräftige Humanstudien. In Summe schränkt das zwar die Belegbarkeit von einer Apigenin-Wirkung ein, jedoch gibt es wertvolle Hinweise auf den Nutzen von Apigenin bzw. Petersilie.
Apigenin & Krebs
Apigenin zeigt in Labor- und Tiermodellen ein bemerkenswertes Potenzial zur Hemmung des Krebswachstums – insbesondere durch seine Fähigkeit, das Zellwachstum zu regulieren, Entzündungsprozesse zu hemmen und den programmierten Zelltod (Apoptose) in geschädigten oder entarteten Zellen einzuleiten. Besonders intensiv wurde es im Zusammenhang mit Dickdarmkrebs, Brustkrebs und Prostatakrebs untersucht.
Eine Studie von Harald Hoensch et al. von 2008 ist eine der wenigen Humanstudien. Dickdarmkrebspatienten wurde nach einer Operation entweder ein Flavonoidgemisch aus 20 mg Apigenin und 20 mg Epigallocatechingallat (EGCG, kommt auch in Grüntee vor) oder ein Placebo verabreicht. Die Patienten wurden anschließend 3–4 Jahre kontrolliert. Die Rückfallquote (Krebsrezidivrate) der Flavonoidgruppe lag bei 0 von 20. In der Kontrollgruppe bei 3 von 21. Neoplasien bildeten sich in beiden Gruppen. Jedoch nur zu 7 % mit Flavonoiden und zu 47 % ohne. Besonders erstaunlich ist die geringe Menge an Apigenin, die hier einen Effekt zeigte. 20 mg erreichen Sie bereits mit wenigen Gramm Petersilienpulver und 1 Tasse grünem Tee.
Auch im Kontext von Prostatakrebs zeigt Apigenin vielversprechende Wirkungen: Es hemmt die Aktivität androgenabhängiger Signalwege, die bei hormonabhängigem Prostatakrebs eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus blockiert es die Angiogenese – also die Bildung neuer Blutgefäße, die Tumore zur Versorgung benötigen. Interessant ist außerdem, dass Apigenin die Expression des Enzyms PSA (prostataspezifisches Antigen) regulieren kann, was es zu einem potenziell nützlichen Begleitstoff in der Prävention macht.
Lesetipp: Natürliche Hilfe für eine gesunde Prostata
Im Bereich Brustkrebs ist Apigenin besonders wegen seiner antiöstrogenen Wirkungen von Interesse. Es konkurriert mit Östrogen um Rezeptoren und kann dadurch die hormonabhängige Zellproliferation hemmen – vor allem bei Östrogenrezeptor-positiven (ER+) Tumoren ist es eine interessante Ergänzung zur Therapie.
Apigenin & Antioxidantien und Entzündungshemmer
Apigenin kann freie Radikale neutralisieren und die körpereigene antioxidative Kapazität stärken. Bereits 1999 konnte gezeigt werden, dass durch Petersilie die körpereigenen antioxidativen Eigenschaften gestärkt werden. Ein Überschuss an freien Radikalen wird auch oxidativer Stress genannt und führt unter anderem zu Zellschäden. Diese Zelloxidation ist häufig einer der Mitverantwortlichen für eine vorzeitige Alterung und chronische Erkrankungen. Beispielsweise deutet eine Studie darauf hin, dass Apigenin oxidativen Stress in Herzgewebe (mögliche Folge ist Herzinsuffizienz) reduzieren kann, z. B. durch Aktivierung des SIRT1Signalwegs. Allgemein wird im Forschungsstand Apigenin eine protektive Rolle bei kardiovaskulären Erkrankungen zugeschrieben.
In anderen Studien zeigte sich Apigenin entzündungshemmend. Insbesondere stille Entzündungen sind ein weitreichendes Problem der modernen Gesellschaft. Apigenin unterdrückt Entzündungsprozesse, indem es etwa die Produktion von proinflammatorischen Zytokinen wie TNFα oder IL1β senkt.
Apigenin & Schlaf und Gehirn
Häufig werden Kapseln mit Apigenin für einen besseren Schlaf beworben. Es lässt sich im Labor zeigen, dass Apigenin oxidativen Stress, Acetylcholinesterase-Aktivität, Lipidperoxidation und weitere mit dem Schlaf verbundene Faktoren beeinflusst. Ein sehr vielversprechender Befund an Mäusen: Apigenin erhöht BDNF, einen Wachstumsfaktor, welcher wichtig für das Wachstum von Nervenzellen im Gehirn ist. Geringe BDNF-Spiegel stehen im Zusammenhang mit Depressionen, Alzheimer, Multipler Sklerose und schlechter Schlafqualität.
In klinischen Studien am Menschen wurde meist Kamilleextrakt als Apigeninquelle verwendet. Zwar zeigten sich durchweg positive Effekte auf den Schlaf, es ist jedoch schwer zu sagen, ob dies nun ausschließlich auf Apigenin zurückgeht oder auch auf andere Inhaltsstoffe von Kamille. Wenn Sie mehr für einen erholsamen Schlaf tun möchten, dann lesen Sie: Gesunder Schlaf durch die richtige Ernährung.
Apigenin & gesunde Alterung
Der natürliche Alterungsprozess ist komplex und wird maßgeblich durch chronisch-entzündliche Prozesse, oxidativen Stress und die Degeneration von Zellen beeinflusst. Genau hier setzt Apigenin an: Wie bereits beschrieben wirkt das Pflanzenflavonoid antioxidativ, entzündungshemmend und zellschützend – Eigenschaften, die es zu einem spannenden Bioaktivstoff im Kontext gesunder Alterung machen.
Am Beispiel von Mitochondrien (zelluläre Kraftwerke) lässt sich das gut zeigen. Sie sind besonders anfällig für oxidativen Stress, was mit nachlassender Energieproduktion und neurodegenerativen Prozessen assoziiert ist. Apigenin unterstützt die Mitochondrienfunktion, indem es reaktive Sauerstoffspezies (ROS) neutralisiert und die Aktivität antioxidativer Enzyme stimuliert.
Ein spannender Aspekt in der Anti-Aging-Forschung ist die Rolle des mTOR-Signalweges (mechanistic target of rapamycin), der Zellwachstum und -reparatur reguliert. Eine moderate Hemmung dieses Signalwegs wird mit Langlebigkeit assoziiert. In Studien wurde beobachtet, dass Apigenin in der Lage ist, mTOR zu modulieren und so Zellschutzmechanismen wie Autophagie zu fördern.
Das bedeutet: Apigenin kann potenziell dabei helfen, die zelluläre Müllabfuhr anzuregen, Schäden zu reparieren und Zellen jung zu halten.
Praktischer Einsatz von Petersilienpulver für Apigenin
Petersilie, insbesondere Petersilienpulver, ist eine natürliche Quelle von Apigenin, welche sich leicht in den Alltag einbauen lässt. Setzen Sie Petersilienpulver regelmäßig in Smoothies, Pesto, Salaten und Co. ein. Am besten nehmen Sie es zusammen mit Mahlzeiten, die ein wenig Öl enthalten, ein. Apigenin ist ein lipophiler Stoff und kann daher besser mit Fett aufgenommen werden.
An sich gilt Petersilie als sicheres Lebensmittel. Vorsichtig sollten jedoch Schwangere sein, denn große Mengen Petersilie sollen wehenfördernd sein.
Fazit zur Wirkung von Apigenin
Apigenin und auch Petersilie sind keine Wunderwaffen – aber eine wertvolle pflanzliche Quelle eines biologisch aktiven Flavons mit einem beeindruckenden Wirkpotenzial. Die Forschungslage ist derzeit überwiegend präklinisch, doch die antioxidativen, entzündungshemmenden, neuroprotektiven und potenziellen kardiovaskulären Effekte sind vielversprechend.
Als Anwender: Nutzen Sie hochwertiges Petersilienpulver ohne Zusätze, dosieren Sie regelmäßig und beachten Sie, dass die Wirkung wahrscheinlich eher subtil ist und langfristig wirkt. Für Menschen, die Wert auf natürliches, pflanzenbasiertes Gesundheitspotenzial legen, ist Apigenin in Petersilie eine interessante Option – stets in Kombination mit einem ganzheitlich gesunden Lebensstil.
Produktempfehlungen:
Quellen:
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4942635/
- https://www.mdpi.com/2304-8158/13/11/1687
- https://pubs.acs.org/doi/10.1021/jf000661f
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16407641/
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2874462/
- https://www.nature.com/articles/1205474
- https://ijoir.gov.iq/ijoir/index.php/jou/article/view/400
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39605916/
- https://www.frontiersin.org/journals/nutrition/articles/10.3389/fnut.2023.1221227/full
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36781043/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10615220/
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6472148/
- https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26826594/
- https://www.frontiersin.org/journals/nutrition/articles/10.3389/fnut.2024.1359176/full
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11202028/
