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Kreatin bei Long Covid – neue Hoffnung gegen die Dauererschöpfung?

Wenn die Müdigkeit einfach nicht weichen will. Viele Menschen kämpfen noch Monate nach einer Covid-19-Erkrankung mit einer bleiernen Erschöpfung, die sich weder durch Ruhe noch durch ausreichend Schlaf vertreiben lässt. Diese sogenannte Fatigue gehört zu den häufigsten und belastendsten Beschwerden des Post-Covid-Syndroms und kann Alltag, Beruf und Lebensqualität massiv einschränken. Forscher vermuten, dass dahinter unter anderem eine gestörte Funktion der Mitochondrien steckt, also der kleinen Kraftwerke unserer Zellen, in denen der Energieträger ATP gebildet wird.

Kreatin – der Energiespeicher unserer Muskeln. Kreatin wird vom Körper selbst hergestellt und zusätzlich über Fleisch und Fisch aufgenommen. Als Phosphokreatin dient es vor allem in der Muskulatur als schnell verfügbare Energiereserve, aus der ATP rasch nachgebildet werden kann. Im Sport ist Kreatin deshalb seit Langem bekannt. Ein Forschungsteam der Universität im brasilianischen Botucatu wollte nun wissen, ob es auch Menschen mit Long Covid zu mehr Energie verhelfen kann.

Die Studie: drei Gruppen, vier Wochen. 67 Erwachsene zwischen 40 und 64 Jahren, die seit mehr als zwölf Wochen unter Fatigue litten, nahmen an der placebokontrollierten Pilotstudie teil. Sie erhielten täglich entweder 6 Gramm Kreatinmonohydrat, 18 Gramm Kreatinmonohydrat oder ein Placebo. Zusätzlich trainierten alle dreimal pro Woche in einem individuell angepassten Rehabilitationsprogramm.

Weniger ist mehr. Das spannende Ergebnis: In der Gruppe mit 6 Gramm Kreatin besserte sich die Erschöpfung deutlich stärker als unter Placebo, und auch die Griffkraft fiel hier am besten aus. Die dreifache Menge brachte dagegen keinen Vorteil, verursachte aber häufiger Magen-Darm-Beschwerden. Auch bei 6 Gramm trat gelegentlich Übelkeit auf, die jedoch meist nach wenigen Tagen wieder verschwand.

Ein vielversprechender Anfang. Noch handelt es sich um eine kleine Pilotstudie mit kurzer Laufzeit, in der Kreatin zudem nur in Kombination mit Bewegung getestet wurde. Größere Studien müssen die Ergebnisse erst bestätigen. Wer selbst betroffen ist und eine Ergänzung mit Kreatin in Betracht zieht, sollte dies vorab mit seinem Arzt besprechen, insbesondere bei Nierenerkrankungen oder der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten.

Quelle: Santos et al. (2026), Frontiers in Nutrition, DOI: 10.3389/fnut.2026.1731306